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Gummidichtung war
gestern...
Früher war es noch ein einfacher Profilgummi der die
Autoscheibe im Scheibenrahmen hielt. Man nennt das eine
elastische Verbindung: Die Scheibe war sozusagen von der
Karosserie entkoppelt; durch den Gummi fand ein
Spannungsausgleich zwischen dem Blech und der Scheibe statt.
Diese Verfahrensweise genügte den Automobilherstellern. Die
Ansprüche an eine Autoscheibe waren zum damaligen Zeitpunkt
ein Schutz vor Staub, Schmutz, Nässe, Kälte und natürlich um
den Fahrtwind vor den Insassen abzuhalten.
Plötzlich tauchen neue Begriffe auf: CW-Wert, Aerodynamik.
Globale Probleme, wie die Ölkrise 1973, die Erkenntnisse
über knappe Rohstoffressourcen und Umweltschutz trugen Ihren
Teil dazu bei, dass dieses Thema auch im Automobilbau ernst
genommen werden musste.
Doch nicht nur das. Der Druck nach modernen Konstruktions-
und Fertigungsmethoden, die die Automobilproduktion
weitestgehend automatisiert und dadurch kostengünstiger und
effizienter gestaltet, wurde nicht zuletzt durch den
Einbruch der japanischen Konkurrenz auf dem europäischen
Automobilmarkt deutlich vorangetrieben.
Die übliche Autoverglasung hatte in all diesen Fragen
erhebliche Nachteile: Der Einbau bei der Fertigung war nicht
automatisierbar. Die Haltbarkeit eines Profigummis war
begrenzt. Mit den Jahren wurde er spröde, rissig und
anschließend undicht.
Weiterhin war eine Autoscheibe eigentlich Ballast. Zwar
weisen Autoscheiben eine erhebliche Stabilität und
Steifigkeit auf, diese Eigenschaften konnten jedoch durch
den elastischen Verbindungsaufbau zur Karosserie nicht
nutzbringend eingesetzt werden.
Scheibenaustausch gestern
Die alte Methode der elastischen Scheibenmontage hat auch
zumindest eine gute Seite: Der Austausch einer defekten
Scheibe war recht einfach. Diese Arbeiten konnte in jeder
Autowerkstatt ausgeführt werden.
Scheibenaustausch heute
Durch die vielfältigen Ansprüche und Anforderungen wird die
Scheibenmontage mehr und mehr zu einer eigenständigen Sparte
in der KFZ- Reparatur. Nicht nur hohes Fachwissen und
aktueller technischer Stand der Techniker ist erforderlich,
sondern auch spezielle Geräte und Ausstattungen.
Mittlerweile schicken die Autoreparaturwerkstätten Ihre
Kunden schon zu den speziell darauf eingerichteten
Autoglas - Servicebetriebe, oder geben die Kundenfahrzeuge
selber bei ihnen ab.
Denn ohne diese Voraussetzungen ist eine fachmännische
Durchführung eines direkverglasten Scheibenaustauschs nicht
mehr möglich.
Direktverglasung
All diese Ansprüche führten dazu, die Autoscheiben neu zu
definieren und sie zu einem Bestandteil der Karosserie zu
machen, indem sie nicht elastisch eingesetzt, sondern fest
mit der Karosserie verbunden werden: Direktverglasung
Diese, in Amerika bereits seit den 50er Jahren bekannte
Technik kann nun wesentlich zur Steifigkeit und Stabilität
des Fahrzeuges beitragen. Die Vorteile liegen klar auf der
Hand: Die Blechdicken der Fahrzeuge können reduziert und
somit Gewicht eingespart werden, strömungsgünstigere Formen
- durch wegfallen des Profilgummis bewirken
niedrigeren Kraftstoffverbrauch, der Einbau bei der
Fertigung kann automatisiert werden. Ebenfalls positiv sind
die Langzeiteigenschaften hinsichtlich der Dichtigkeit.
Variablere Konstruktionsmethoden der Fahrzeuge ermöglichen
neue Designformen und die Geräuschreduktion während der
Fahrt sorgt für höheren Fahrkomfort.
Aber auch die Sicherheit hat zugenommen: Die geforderten
Erwartungen wurden in Crash-Test Versuchen erfüllt und sogar
übertroffen. Ebenfalls wird die Verglasung - im Gegensatz zu
den Vorläufern, die bei Kollisionen wie Geschosse durch die
Luft fliegen konnten, sicher im Karosserieausschnitt
gehalten.
Heute sind bereits bei 70% aller Neufahrzeugen die
Scheiben fest verklebt.
Selbst Kleinwagen oder Transporter die bislang noch mit
einer elastischen Scheibenmontage ausgestattet wurden gehen
verstärkt dazu über, die Produktionsabläufe auf
festverklebte Montagen umzustellen. Damit ist jetzt schon
abzusehen, dass in naher Zukunft elastische
Scheibenverbindungen der Vergangenheit angehören werden.
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